Donnerstag, 15. November 2018

15.11.2018

Und wieder ist ein Jahr vergangen, ein Jahr in dem viel passiert ist.
Vor einem Jahr schrieb ich, dass mein Vater mich loswerden will - genau das hat er im Februar umgesetzt. Am 22.2. bin ich „geflohen“, mit einem Koffer und einem Rucksack voll Klamotten und ein paar wichtigen Dingen. Ins Ungewisse. Zum 28. hätte ich spätestens weg sein müssen, es ging nicht mehr. Ich war den ganzen Winter über mehr weg, als zuhause. Die letzten 2 Monate habe ich meine Familie praktisch nicht mehr gesehen. Ich bin morgens vor allen aus dem Haus und nachts wenn alle schon schliefen wiedergekommen. Habe von Pfandflaschen gelebt. Ich habe oft gehungert, unfreiwillig aus Geldmangel. 
Dann kam der Tag, an dem ich ohne Geld weg bin. Ich habe den Tag, wie so viele davor, am Flughafen verbracht. Da ist WLAN und es ist warm. Abends bin ich dann zum Hauptbahmhof, wo mir die Bahnhofsmission ne Unterkunft vermittelt hat. In der Woche danach war ich dann offiziell obdachlos gemeldet, habe Leistungen beim Jobcenter beantragt und hatte endlich wieder Geld um mir essen zu kaufen. Ich musste nichtmetrisches hungern und ich konnte wieder kochen. 
In der Unterkunft lernte ich J. Kennen. Männlich, 3 Jahre älter und sofort in mich verliebt. Ich habe ihn lange abgewiesen, aber ich war einfach einsam. Mit Y. Lief es schon länger nicht mehr gut. Wir verstehen uns bis heute gut, aber die Gefühle waren halt weg. So machte ich dann offiziell Motive Schluss und kam mit J. Zusammen. Ja, es war schön jemanden jederzeit umarmen und küssen zu können. Aber es zeigte mir wieder, dass ich definitiv nicht auf Männer stehe. Der Sex war scheiße, aber wenigstens panikfrei. Allgemein habe ich selten Panik wegen P. Mittlerweile. Dann kam immer mehr Streit, er wollte dauernd Sex. In der Unterkunft durften wir es aber nicht und in der Öffentlichkeit wollte ich nicht. Allgemein wollte ich es kaum. 
Dann war Anfang Juni, der Geburtstag von Chr.  wir waren Bowlen und danach in ner Ferienwohnung, in der J. Und Chr. das Wochenende verbracht haben. Beides in der Stadt, in der ich bis Februar wohnte. Die Stadt, in der P und meine Familie wohnen. Das bowlen war super, das warten auf den Bus zur Wohnung der Horror. Über eine halbe Stunde an einer Stelle, wo meine Eltern öfter sind. Alleine in der Stadt zu sein war schon der Horror, aber das war dann zu viel. Ich bekam Panik, wollte weg. Die anderen aber nicht laufen. Nach gefühlt unendlicher Zeit kamen wir in der Wohnung an, wo wir dann essen wollten. Da gabs ne Waage. Chr. Und ihre beste Freundinwogen sich. Chr. Ist größer als ich und wiegt deutlich weniger. Diese Info in Kombi mit dem davor war zu viel, ich fühlte mich eklig und fett und hässlich und war einfach nur am ende. Ich konnte kaum essen, die Tage danach teilweise auch nur ne Kleinigkeit. Ich wollte es selbst nicht, aber ich konnte nicht. 
Nach einigen Tagen habe ich das aber wieder unter Kontrolle gehabt, ich bin stärker als die Essstörung. Ich bin stärker, als den Drang mich zu verletzen. Ich brauche das nicht mehr. 
Kurz nach dem ganzen kam dann die Trennung. Ich könnte nicht mehr, es war dauerhaft Streit. 
Irgendwann Ende Mai hat mich dann Ja. Wieder angeschrieben, wir hatten uns im September 2017 über Instagram kennengelernt und immer guten Kontakt. Bis ich kurz davor war rauszufliegen und bei vielen Leuten abblockte. Sie ist lesbisch, war aber vorm kontaktabbruch mit einer anderen zusammen. Wir schrieben dann schnell wieder sehr viel und sie verstand meine Gründe nicht mehr zu antworten. Irgendwann schickte sie mir aus versehen „Liebst du mich?“. Es sollte an jemand anderen gehen. Aber sie ist beim chat verrutscht. Bereits Ende 2017 fand ich sie attraktiv, aber dann kam sie mr F zusammen. Unser Schreiben wurde immer intimer, ich war ehrlich zu ihr. Im Juli kamen wir dann zusammen, meine Gefühle waren noch nie so stark wie für diese Frau. Ich habe noch nie so geliebt. Wegen ihr und weil ich hier ne Wohnung bekommen habe bin ich dann weggezogen. 500km weit weg von P und meiner Familie. Dann trennte sie sich und meine Welt brach wieder zusammen. Das war Anfang September. Nach ner Weile mit viel Streit und ohne Kontakt sind wir jetzt wieder zusammen. Ich liebe sie immernoch abgöttisch, ich will sie niemals verlieren. 
Jetzt am Sonntag den 18. bringt mein Vater mir meine Sachen. Bisher lebe ich mit 3 Katzen in einer fast leeren Wohnung. Irgendwann Anfang September schrieb mein Vater mir wieder. Seitdem bestand sporadisch Kontakt, eigentlich wollten meine alten Nachbarn den Umzug im August machen. Es klappte bis heute nicht. 
Ich habe tierisch Angst vor Sonntag. Ja ist mit da, A ebenfalls. A wohnt ca. Ne Stunde von mir entfernt. Gleichzeitig freue ich mich aber auch endlich meine Sachen hier zu haben. Möbel zu haben. 
Und dann kommt noch der Dienstag, da sind es 5 Jahre seit P. So „egal“ es mir die meiste Zeit mittlerweile ist, das Datum ist halt weiter blöd. Aber ich bin 500km weit weg von ihm, ich brauche keine Angst mehr zu haben. Er kann mir nix mehr tun. Ich habe hier ein neues Leben angefangen, ohne die ganzen Personen, die mich so verletzt haben. Endlich glücklich sein ❤️

Sonntag, 29. Oktober 2017

29.10.2017

Nach langer Zeit schreibe ich mal wieder...
Ich habe es mir öfter vorgenommen, es aber doch nie gemacht. Aber jetzt ist zu viel in mir, was raus muss.
Letztes Wochenende war A. hier. Also bei ihren Eltern. Eigentlich wollten wir uns treffen, hatten auch schon alles abgemacht... Ich war in Hamburg und sie schrieb nicht, hat sich bis Sonntag nicht gemeldet. Erst Sonntag Nacht auf dem Weg nach Hause hat sie mir gesagt, dass es ihr grad nicht gut geht und sie mit allem überfordert ist...
Ich war extrem sauer und seitdem mache ich mir enfach nurnoch Sorgen. Danach hat sie bis heute Nacht nicht mehr geschrieben.
meine Woche war so lala... Meine Gedanken kreisen ums abnehmen, ich fühle mich eklig und will einfach nur wieder dünn sein. Ja, ich weiß, dass ich immernoch dünn bin... aber halt so, wie vor 1,5 Jahren. Wirklich dünn. Noch dünner.
Ich will nicht sterben. Ich will leben. Ich weiß, dass ich nicht wieder hungern sollte... Ich habe so lange mein Gewicht gehalten. Aber grad kämpfen Ana und der Selbsthass gegen die Vernunft. Ich war mehrfach kurz davor wieder zur Klinge zu greifen. Nach 1,5 Jahren durchhalten und fast keinem Druck. Ich bin wieder in ner Abnehmgruppe, aber in keiner strengen. Alle ungefähr in meinem Alter und sie verstehen mich. Keine ist extrem dünn, alle haben noch andere Probleme. Eine ist mir super ähnlich.
Trotzdem fresse ich Scheiße, aber nicht regelmäßig und gesund. Das habe ich nie. Die ganze Normalgewichtzeit nicht. Ich habe kein wirkliches Hungerfühl, ich kann nicht viel auf einmal essen. Ich vergesse oft einfach zu essen oder ekel mich so sehr, dass ich es nicht kann. Ich will essen und schaffe es nicht. Und am nächsten Tag fresse ich 2 Pizzen und Schokolade und trinke Eistee. Gesundes Essverhalten sieht anders aus, das kann ich nicht.
Ich weiß, hungern ist definitiv nicht besser... Aber ich bin grad von allem überfordert.
Papa will dass ich ausziehe. Ok, will ich auch. Nur finde ich weder nen Job, noch ne Wohnung. Eigentlich wäre ich seit 2 Wochen obdachlos, aber ich bin grad geduldet... Wie lange auch immer. Ich könnte jederzeit plötzlich auf der Straße sitzen. Er will mich loswerden.
Er trinkt oft. Heimlich. Fast jeden Abend fehlt ein Bier im Kühlschrank oder stehen Weingläser in der Küche. Aber ich will nicht mit ihm drüber reden, das gäbe noch mehr Streit.
Aber es erinnert mich so sehr an Mama. Ich hab so eine verdammte Angst, dass sich das wiederholt.. wie so vieles andere auch. Es tut mir so verdammt weh alles. Ich will doch nur glücklich sein, ich will leben. Aber nicht so, glücklich.
Mir ist das alles zu viel. Ich spiele für alle das glückliche Mädchen. Keiner meiner Freunde kennt meine Gedanken. Ich sage allen, dass alles gut ist. Re ist nicht so richtig stabil, T noch weniger... Und A...
Sie hat mir vorhin gesagt, dass ein Kumpel, dem sie Unterschlupf gewährte, sie nachts angefasst hat. Shirt hochgezogen und angefasst. Sie ist davon aufgewacht und war zu geschockt um sich zu wehren. So wie ich damals. Sie hat es einfach über sich ergehen lassen. Ihr geht es sowieso nicht gut. Ich habe Angst um sie.
Das mit P. ist bald 4 Jahre her. In 22 Tagen. In 3 Tagen beginnt der November, der Horrormonat. Ich hasse den Winter. Das sind zu viele Erinnerungen. P. guckt mich immernoch doof an, wenn wir uns sehen. So, als ob ich die wäre, die ihn schlecht behandelt hat. So, als wäre ich der letzte Dreck.
Manchmal kriege ich immernoch Panik. Ich will manchmal einfach nur zerbrechlich dünn sein. Mit fettigen Haaren. Eklig. Sodass mir keiner zu nah kommt. Dass mir keiner weh tut. Alleine auf ner einsamen Insel. Nur ich und das Internet.
Ich will zu C. Ich vermisse sie so sehr, meine kleine. Ich hab sie einmal gesehen in den letzten 2 Jahren. Sie ist mir mit Abstand am wichtigsten, immernoch und für immer. Ohne sie würde ich nicht mehr leben, schon seit vielen Jahren nicht mehr. Andererseits wäre ohne sie meine Familie vielleicht nicht so im Arsch... Dafür kann sie nichts, aber trotzdem ist es so. Und doch wird sie immer mein Lieblingsmensch bleiben ♥
Meine Gedanken sind so durcheinander, ich komme selbst nicht mehr hinterher. Ich sitze hier grad heulend. Ich vermisse die Klinge. Aber ich will die Zeit nicht zerstören... Ich will nicht schon wieder meine Arme verstecken und am Bein befriedigt es nicht so. Ich will, dass endlich alle Narben verblassen und gleichzeitig will ich das Blut laufen fühlen. Den Schmerz, die Ruhe, die Erlösung. Ich überlege, ob ich meine Beruhigungsmittel nehme. Aber ich hab Angst, dass ich dann zu lange schlafe. Ich hab sie das letzte Mal vor 1,5 Jahren genommen. Da ging es mir wesentlich schlechter als jetzt... Warum fängt es wieder an? Ich will das nicht. Ich will einfach leben können ohne den ganzen Mist.
Und doch fange ich damit an. Bin in der Gruppe. Stehe auf der Waage. Fresse trotzdem. Habe eine Maske. Rede mit niemandem. Bin für alle da. Bin mir selbst egal.
Ich hab vorhin mit einer aus der Gruppe über Dinge geredet, die ich noch nie jemandem gesagt habe.
Ich fühle mich oft nicht krank genug, hab ich auch mit starkem Untergewicht nicht. Meine Blutwerte waren immer gut, mein Kreislauf hat nicht verrückt gespielt. Ich war nie so dünn und habe das essen nie lange genug verweigert um zum Essen gezwungen zu werden. Insgeheim wollte ich immer so dünn werden, dass ich ne Sonde bekomme. Nicht, weil ich die Sonde will oder zunehmen wollte. Aber nur wer fast verschwunden ist bekommt eine Sonde. Nur wer wirklich krank ist. Ich habe die Diagnose, ja... Aber es gibt so viele die Dünner sind.
Beim schneiden das gleiche, ja ich habe viele Narben, aber keine tiefen Narben. Nichts, was wirklich besorgniserregend war. So viele hatten tiefere Schnitte. Bei so vielen muss es oft genäht werden, bei mir musste ich es eine Nacht verbinden.
Dann denke ich, dass ich die Diagnose nicht verdient habe. Weil es nicht wirklich schlimm war.
Ich hab nurnoch selten Albträume wegen P. Selten Panik. Manches habe ich wieder verdrängt, manches ignoriere ich. Ich schlafe immernoch jede Nacht in dem Bett von damals. An der gleichen Stelle wie damals. Ich ignoriere die Tatsache. Sie zerreißt mich oft innerlich. Sie erinnert mich jeden Tag. Aber ich spiele das glückliche Mädchen.
Ja, ich bin auch oft glücklich. Ich kann lachen und mich freuen. Aber oft verdränge ich. Alles.
Und dann fühle ich mich schuldig, weil ich nicht krank genug bin. Anderen geht es schlechter. Warum also Hilfe annehmen? Ich komme doch klar. Meistens.

Sonntag, 20. November 2016

20.11.2016

Heute sind es 3 Jahre.
3 Jahre seit er anfing mich mehrere Monate zu Sachen zu zwingen, die ich nicht wollte.
3 Jahre voller Angst und Selbstzerstörung.
3 Jahre in denen ich ihm immer wieder begegnete.
3 Jahre in denen ich in dem gleichen Bett und gleichen Zimmer sein muss, wo er es tat.
3 Jahre in denen ich gelernt habe damit umzugehen. Zumindest teilweise.
3 Jahre in denen ich immer wieder kurz vorm Suizid stand.
3 Jahre in denen ich vieles verlor aufgrund meiner Vergangenheit.
3 Jahre in denen ich meine echten Freunde fand.

Nein, mir geht es nicht gut. Aber mir geht es auch nicht wirklich schlecht. Ich fühle grade eigentlich nichts. Ich habe nur Angst davor, dass der Zusammenbruch noch kommt, so wie die letzten beiden Jahre.
Im Moment läuft mein Leben so gut.
Ich mache meine Ausbildung (und bin ziemlich gut!).
Ich habe mich seit Februar nicht verletzt (auch wenn die Narben frischer aussehen).
Ich habe zugenommen, bin im Normalgewicht und halte seit Monaten mein Gewicht (fühle mich aber nicht wohl).
Ich bin viel selbstbewusster. Ich stehe meistens zu mir und meinem Leben. Meine Klasse akzeptiert mich wie ich bin. :)
Ich habe die besten Freunde auf der Welt. Und die beste genauso gestörte Freundin ♥
Ich habe das alles nach der Therapie und Klinik und ohne Medikamente geschafft. Alleine.

Nein, das heißt nicht, dass Therapie oder Klinik schlecht sind. Für mich ist es aber scheinbar nicht das Richtige, wenn es um das verarbeiten ansich geht. Zur Krisenintervention ist es super, alles andere geht besser alleine oder mit Freunden. Zumindest zur Zeit.

Dienstag, 16. Februar 2016

16.02.2016

6 Wochen Depressionstherapie als Krise und 10 Tage versuchte Traumatherapie, die wegen akuter Anorexie abgebrochen wurde später habe ich nun Borderline, Anorexie und die Posttraumatische Belastungsstörung als Diagnosen. Ich will immernoch sterben. Ich fühle mich schlecht und als Belastung. Ich fühle mich eklig und fett. Ich habe insgesamt 10 kg abgenommen. Mein BMI ist bei 15,7. Alle machen sich Sorgen. Ich verweigere weitere Therapie.

Sonntag, 29. November 2015

29.11.2015

Hab angefangen mit den Abschiedsbriefen. Hab 3 fertig. Bei dem für meinem Bruder hab ich geheult wie sonstwas... Ich hab ihm versucht mein Handeln zu erklären und, dass er weiterleben soll und hoffentlich einen Sinn im Leben findet.

Und ich hab eine Liste geschrieben mit Dingen, die ich vorm Tod machen möchte. Dabei fiel mir auf, dass mein Datum nicht geht, ich will unbedingt meine Schwester nochmal sehen und ihr Tschüss sagen. Damit kann ichs erst in frühestens 3,5 Monaten machen. Das ist gefühlt noch so ewig...

Meine Freunde haben mich aufgegeben. Die meisten... L. sagte mir sie wäre vollkommen am Ende... Y. ebenfalls... Sie würde mich aber nicht zwingen zu bleiben, L. wenns irgendwie geht schon. Und Re. und T. haben mich komplett aufgegeben. Ich hab gestern überlegt doch in die Klinik zu gehen. Ihre Reaktion "Das bringt eh nichts."