Vor einem Jahr schrieb ich, dass mein Vater mich loswerden will - genau das hat er im Februar umgesetzt. Am 22.2. bin ich „geflohen“, mit einem Koffer und einem Rucksack voll Klamotten und ein paar wichtigen Dingen. Ins Ungewisse. Zum 28. hätte ich spätestens weg sein müssen, es ging nicht mehr. Ich war den ganzen Winter über mehr weg, als zuhause. Die letzten 2 Monate habe ich meine Familie praktisch nicht mehr gesehen. Ich bin morgens vor allen aus dem Haus und nachts wenn alle schon schliefen wiedergekommen. Habe von Pfandflaschen gelebt. Ich habe oft gehungert, unfreiwillig aus Geldmangel.
Dann kam der Tag, an dem ich ohne Geld weg bin. Ich habe den Tag, wie so viele davor, am Flughafen verbracht. Da ist WLAN und es ist warm. Abends bin ich dann zum Hauptbahmhof, wo mir die Bahnhofsmission ne Unterkunft vermittelt hat. In der Woche danach war ich dann offiziell obdachlos gemeldet, habe Leistungen beim Jobcenter beantragt und hatte endlich wieder Geld um mir essen zu kaufen. Ich musste nichtmetrisches hungern und ich konnte wieder kochen.
In der Unterkunft lernte ich J. Kennen. Männlich, 3 Jahre älter und sofort in mich verliebt. Ich habe ihn lange abgewiesen, aber ich war einfach einsam. Mit Y. Lief es schon länger nicht mehr gut. Wir verstehen uns bis heute gut, aber die Gefühle waren halt weg. So machte ich dann offiziell Motive Schluss und kam mit J. Zusammen. Ja, es war schön jemanden jederzeit umarmen und küssen zu können. Aber es zeigte mir wieder, dass ich definitiv nicht auf Männer stehe. Der Sex war scheiße, aber wenigstens panikfrei. Allgemein habe ich selten Panik wegen P. Mittlerweile. Dann kam immer mehr Streit, er wollte dauernd Sex. In der Unterkunft durften wir es aber nicht und in der Öffentlichkeit wollte ich nicht. Allgemein wollte ich es kaum.
Dann war Anfang Juni, der Geburtstag von Chr. wir waren Bowlen und danach in ner Ferienwohnung, in der J. Und Chr. das Wochenende verbracht haben. Beides in der Stadt, in der ich bis Februar wohnte. Die Stadt, in der P und meine Familie wohnen. Das bowlen war super, das warten auf den Bus zur Wohnung der Horror. Über eine halbe Stunde an einer Stelle, wo meine Eltern öfter sind. Alleine in der Stadt zu sein war schon der Horror, aber das war dann zu viel. Ich bekam Panik, wollte weg. Die anderen aber nicht laufen. Nach gefühlt unendlicher Zeit kamen wir in der Wohnung an, wo wir dann essen wollten. Da gabs ne Waage. Chr. Und ihre beste Freundinwogen sich. Chr. Ist größer als ich und wiegt deutlich weniger. Diese Info in Kombi mit dem davor war zu viel, ich fühlte mich eklig und fett und hässlich und war einfach nur am ende. Ich konnte kaum essen, die Tage danach teilweise auch nur ne Kleinigkeit. Ich wollte es selbst nicht, aber ich konnte nicht.
Nach einigen Tagen habe ich das aber wieder unter Kontrolle gehabt, ich bin stärker als die Essstörung. Ich bin stärker, als den Drang mich zu verletzen. Ich brauche das nicht mehr.
Kurz nach dem ganzen kam dann die Trennung. Ich könnte nicht mehr, es war dauerhaft Streit.
Irgendwann Ende Mai hat mich dann Ja. Wieder angeschrieben, wir hatten uns im September 2017 über Instagram kennengelernt und immer guten Kontakt. Bis ich kurz davor war rauszufliegen und bei vielen Leuten abblockte. Sie ist lesbisch, war aber vorm kontaktabbruch mit einer anderen zusammen. Wir schrieben dann schnell wieder sehr viel und sie verstand meine Gründe nicht mehr zu antworten. Irgendwann schickte sie mir aus versehen „Liebst du mich?“. Es sollte an jemand anderen gehen. Aber sie ist beim chat verrutscht. Bereits Ende 2017 fand ich sie attraktiv, aber dann kam sie mr F zusammen. Unser Schreiben wurde immer intimer, ich war ehrlich zu ihr. Im Juli kamen wir dann zusammen, meine Gefühle waren noch nie so stark wie für diese Frau. Ich habe noch nie so geliebt. Wegen ihr und weil ich hier ne Wohnung bekommen habe bin ich dann weggezogen. 500km weit weg von P und meiner Familie. Dann trennte sie sich und meine Welt brach wieder zusammen. Das war Anfang September. Nach ner Weile mit viel Streit und ohne Kontakt sind wir jetzt wieder zusammen. Ich liebe sie immernoch abgöttisch, ich will sie niemals verlieren.
Jetzt am Sonntag den 18. bringt mein Vater mir meine Sachen. Bisher lebe ich mit 3 Katzen in einer fast leeren Wohnung. Irgendwann Anfang September schrieb mein Vater mir wieder. Seitdem bestand sporadisch Kontakt, eigentlich wollten meine alten Nachbarn den Umzug im August machen. Es klappte bis heute nicht.
Ich habe tierisch Angst vor Sonntag. Ja ist mit da, A ebenfalls. A wohnt ca. Ne Stunde von mir entfernt. Gleichzeitig freue ich mich aber auch endlich meine Sachen hier zu haben. Möbel zu haben.
Und dann kommt noch der Dienstag, da sind es 5 Jahre seit P. So „egal“ es mir die meiste Zeit mittlerweile ist, das Datum ist halt weiter blöd. Aber ich bin 500km weit weg von ihm, ich brauche keine Angst mehr zu haben. Er kann mir nix mehr tun. Ich habe hier ein neues Leben angefangen, ohne die ganzen Personen, die mich so verletzt haben. Endlich glücklich sein ❤️